14 Mann gründen den MI-CUlT' 75 !!!

Fuasicht 1979 :

DIE FUENFTE MI-CUIT-FUASICHT

- Otto P. Ekriptus


Der nun folgende Artikel soll keinesfalls mit den in Festbroschüren bei Gelegenheit eines X-jährigen Bestehungsfestes von kleineren oder grösseren Doppelfestvereinen erscheinenden Vorworten der jeweils zufällig amtierenden Präsidenten verwechselt werden; im Gegensatz zu diesen Vorworten erhebt der hier erscheinende Artikel keinerlei Anspruch auf jeglichen kulturellen Wert; er sollte lediglich die jüngste Vergangenheit der Veiner Fuasicht aus der Sicht eines eingefleischten Mi-Cuit-Mitgliedes in Erinnerung rufen und dem Leser einen kleinen Anteil von den erhebenden Gefühlen vermitteln, die ein jeder 'Mi-Cuist' im Innern seines von Entbehrungen und Überanstrengungen der Vorfuasichtzeit strapazierten Körpers bei Gelegenheit eben dieser Fuasicht zu empfinden vermag.



WIE KAM ES ZUR GRUENDUNG DES MI-CUIT ?

Unter diesem Titel soll nun versucht werden, aus historischen Begebenheiten die logische Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Fuasicht in Vianden ohne einen entsprechenden Fuasverein keine VEINER FUASICHT mehr wäre.

Der Fuasverein MI-CUlT 75 setzt. sich aus den folgenden 4 Stämmen zusammen:
Ueberlebende des MIAMI ’56
Das Fuasorchester 'THE BARKLEPPERS'
Ein Fuasturnverein '0URAVA'
Andersdenkende

An einer detaillierten Analyse jeder einzelnen Gruppe kommen wir wohl nicht vorbei. Fangen wir also bei der ersten an :



MIAMI - 1956

Dieser Fuasverein war ein seinerzeit sehr interessantes Phänomen. Hier nun eine subjektive Schilderung des vom Autor miterlebten Untergangs des wohl einzigartigsten der früheren Fuasvereine: Anno Domini l973. Der letzte internationale Auftritt in einer Bar in Mexiko. (Die genaue Adresse ist leider nicht bekannt.) Man spielte solange mit gezinkten Karten und heißblütigem Temperament um die schöne Senorita Juanita, welche sich trillernd und tirillierend hoch oben auf dem Tische hin und her bewegte, bis dass der lange Rein gewahr, dass sein Mädchen ohne Höschen war.

Da wars mit der Eintracht vorbei, der Aedder ward herausgerissen und fast hatte man in die Hose ...

Man sieht: Die Moral wurde nicht mehr sehr gross geschrieben, was unweigerlich zum Ende führen musste. Nun zum allerletzten Akt:

Wieder zu Hause angekommen, versuchte man sein Glück mit etwas, womit viele ihres versuchen; man gab eine Hit-Parade zum besten. Internationale Sänger sangen:

Batterflei und Heini wollten musikalisch die letzten Zitronenfalter von den Bergen herunterholen und der feiste Iwan bejodelte seine Vorliebe zu der hiesigen Schwemm, das ganze begleitet von der Begleitmusik des Last Jéims. Selbstverständlich, wie es sich für eine Hit-Parade so passt, war auch das Fernsehen anwesend. Und es wurde gefilmt und es wurde aufgenommen. Bis zum grossen Starauftritt der Dalli A - Levi welche samtklangig beteuerte dass … - Zensur und Aus. Ein klägliches Finale eines kleveren Miamis. Schade drum...



THE BARKLEPPERS

Da lob ich mir die 2. Gruppe, genannt THE BARKLEPPERS.

Die Gründung in einer kalten Januarnacht derselben Nacht durch Abfeuern einer ziemlich grossen Anzahl mittelschwerer Feuerwerkskörper auf der oberen Viandener Brücke gefeiert.(Etwaige Anrainer werden darauf hingewiesen, dass erwähnte Begebenheit schon seit längerem verjährt ist.) Man hatte also beschlossen, wahrend der Fuasicht von Cafe zu Cafe zu ziehen um originelle musikalische Darbietungen darzubieten. Abgesehen von einer länger anhaltenden Lachkrise des Solisten bei der Probe im Schlachthaus, anlässlich des zu probenden Solos, war die Ausschlachtung der Probe nach einer darnach zustande gekommen Analyse ausschlaggebend gering. Tief resigniert ging man die Fuasicht an. Tief resigniert ging man nach dem 2. Auftritt von der Feststellung aus, dass man besser täte aufzuhören. Man hörte. Bei einer Durchforstung des Osch'chen Rumpelgeländes kämen auch heutzutage bestimmt noch einige Instrumententeile zu tage. Das war der Anfang und das Ende der Barkleppers, welche sich 3 Jahre später auch zum Ende des Miami einfanden...



OURAVA - TURNVEREIN

Nun zur 3. Gruppe.

Hier kam eine eigenartige Mischung aus Geschrei und "action" zustande, welche man einige Jahre später beim Mi-Cuit teilweise wieder begegnete.

Einige konkurrenzlose Turnerdarbietungen vermischt mit muskulärer Kraft und überschwänglich unverständlichen Ansagen; das ganze nannte sich sehlicht OURAVA - TURNVEREIN.

Dargeboten wurde, und das war in jener Zeit ein Novum, am Fastnachtsonntagnachmittag, und zwar gab es wiederum eine Vorstellung in jedem Bistro. Zur Erinnerung: Die Ourava – Show: In einer verformten Blechröhre konnte man die Zahne des Ansagers sich auf und ab bewegen sehen, und zwar synchron zu dem was er zu schreien pflegte.(Die unerhört lautstarken Töne wurden gottseidank durch das Blechrohr etwas gedämpft.) Darnach leitete ein Trommelwirbel zur ersten Nummer ein:

Ein Kraftprotz sollte eine Latte etwas aufheben. Jedoch der Versuch misslang, weil der Trommler den Wirbel nicht mehr bremsen konnte und er sich so mitsamt Latte und Kraftprotzin einem phantastischem Tohuwabohu (= Durcheinander) am Boden wiederfand.

„Bravo!“ schrie der Ansager; „bravo!“ antwortete der Kraftprotz und betrachtete verächtlich den Trommler, welchem man wieder zwei neue Trommelbengel hinreichte... Dann kam der Ziegel-Akt. Zwei steinalte Chinesen zerschmetterten mit blossen Fingern einige Ziegelsteine... Nachdem der Staub sich etwas gelegt hatte, begann das Finale grandioso : Ein Kettenzerreisser. - Mühsam wurde der Delinquent zum Stehen gebracht und sah sieh flugs von einer unendlich langen eisernen Kette umringt. Dann liess man ihn los. Und tatsächlich, bevor der Tapfere das Gleichgewicht wieder verloren hatte, war die Kette ab. Und bis zum nächsten Auftritt verbrachte man sich die Zeit damit, erwähnte Kette von den darin verschlungenen Beinen des Zerreissers zu befreien. Hierfür erntete man reichlich Applaus, denn ein Entfesslungskünstlervortrag war ja nicht vorgesehen..



ANDERSDENKENDEN

Nun zur 4. Gruppe, den ANDERSDENKENDEN.

Es gab schon seit jeher einzelne Fuasichtsanhänger, welche sich nie dazu entschliessen konnten, sich einer grösseren Fuasvereinigung, anzuschliessen. Nichtsdestotrotz brachten auch diese Einzelgänger manchmal etwas ganz Anständiges zustande. Man denke an die Ueberlieferungen welche erzählen von einem Manne, der heldenhaft in einem von brennenden Zigarren und Zigaretten nur so strotzenden Saal sich als "Stroh" verkleidet zur Schau stellte.



Oder an den schwitzenden Mann im berühmt gewordenen Bären; letzterer ist leider unauffindbar geworden. An 2 Waghalsige, welche der staunenden Menge zu sündhaften Preisen gebrauchte Briefbogenblätter verkauften. Einen der als Abort verkleidet den „Veiner Beschass“ repräsentierte. - Alle wären es wert erwähnt zu werden. Auch in jüngster Vergangenheit gibt es genügend mehr oder weniger gelungene Beispiele solch einzigartiger Fuaskultur. Da gibt es eine Gruppe die es alle Jahre wieder fertig bringt, mit alten Grossmutterkleidern und X-mal gebrauchten Kinderkutschen den Fuasverkehr zu behindern und den Unverkleideten durch ihr ulkig zu wirkendes Getue unermüdlich auf den Nerven zu trampeln. Oder einen der glaubte, die hiesige Musikgesellschaft käme ohne seine lautstarke Mitarbeit auf einem Fünfunddreissigfrankenplastikziehakkordeon nicht zur vollen Geltung.(Zum Leidwesen aller Betroffenen glaubte er dies einen ganzen langen Fuasichtsnachmittag lang.) -- Die Liste könnte beliebig lange fortgesetzt werden...



Doch kommen wir wieder zum MI-CUIT zurück.

Wir schreiben Weihnachten 1974. Die Geschenke sind alle ausgepackt, verzehrt oder umgetauscht worden, die Bevölkerung bereitet sich moralisch auf den zermürbenden Jahreswechsel vor. Auch die Fuasanhänger der 4 verschiedenen Gruppen denken an Sylvester.

Jedoch - und hier beginnt ein einmaliges Stück Veiner Geschichte - sie denken noch an etwas anderes, viel wichtigeres: Anfang '75 wird wieder die Fuasicht ins Land ziehen, mit gewinnbringenden Ballveranstaltungen wo die Pappnasen und Cowboy-Hüte vom vorigen Jahr Triumphe feiern werden; mit einer deprimierten Musikgesellschaft die aus Rücksicht auf Tradition wieder an 2 - 3 Tagen mit überlangen gestreiften Tricots missmutig von Café zu Café ziehen wird, das Humba - Täterää von sich gebend; an die ewig Besoffenen welche sich nun wieder erlauben werden, auch tagsüber durch die Gassen zu grölen und die Fassaden zu bepinkeln …

Und das soll Fuasicht sein. Voller Wehmut erinnert man sich an die herrlichen Fuasichten von früher, - an die Ami- und Wehrmachtsfeuerlöschtruppen, an den Brückenjumelage, den Sanges- und Musikkonkurs einerseits; und an Carmen-Aufführungen, Schneewittchen; Moritaten, Feuerschlucker und Trapezkünstler andererseits... Das alles soll nun vorbei sein. Die Veiner Fuasicht steht vor einem Trümmerhaufen. Das kann und darf nicht wahr sein. Eine radikale Kursänderung ist dringen vonnöten...

14 Mann (im Moment sind es deren 50 !!) beschliessen also sich zusammen zu setzen und die Veiner Fuasicht zu retten. 14 Mann gründen eine Vereinigung die sich ausschlieslich der Wiederauferstehung einer grossartigen Idee widmen soll - die VEINER FUASICHT.



14 Mann gründen den MI-CUlT' 75 !!!

Aller Anfang ist schwer, aber das schwierige Unterfangen ward solidarisch angegriffen.

Am frühen Fuassonntagvormittag des Jahres 1975 war es dann soweit, es fand eine Vermählung statt die ihresgleichen bis dato noch nicht erlebt hatte. Der Miami' 56 übertrug dem Mi-Cuit'75 alle Rechten und Pflichten die eine solche Fuasorganisation braucht um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden...



Ein gigantisches Unternehmen ist bis heute aus dem 14-Mann-Club entstanden - von Kennern und Nichtkennern mit Lob nur so überschüttet - was diese gigantische und phantastische Organisation in den darauf folgenden Jahren zu leisten vermochte, darauf werden wir in der nächsten Nummer dieser einmaligen Zeitschrift eingehend eingehen.


Bis dahin viel Spass

Otto P. Ekriptus


Ous: Fuaszeitung N°1/1979 – Mi-Cuit ’75